Denk kurz an deine Schulzeit. Was taucht als Erstes auf?
Bei mir sind es keine großen Ereignisse, sondern einzelne Blitzlicht-Gedanken: eine Rose mit nur einem Blatt, ein riesiger Stern im Leseheft, der wackelnde Boden eines Container-Klassenraums.
Insgesamt ist die Schulzeit bei mir positiv besetzt- sonst wäre ich sicher nie Lehrerin geworden… Vor allem das Gefühl von Gemeinschaft hat mir viel Freude bereitet. Erst rund um das Abitur wurde daraus zunehmend Ellenbogendenken, und diese Phase mochte ich deutlich weniger. Es sind also ganz unterschiedliche Situationen, die mir im Kopf geblieben sind, aber lies selbst.
Dies ist mein Beitrag zu meiner eigenen Blogparade. Wenn du auch mitmachen und in Erinnerungen schwelgen möchtest, findest du hier den Aufruf.
Ich habe diese Blogparade ins Leben gerufen, um den vielfältigen Momenten, Gerüchen, Sprüchen und Gefühlen, die wir mit unserer Schulzeit verbinden, einen Raum zu geben. Und ich bin schon ganz gespannt: was ist wirklich das, was wirklich hängengeblieben ist?
Starten wir passend zur Jahreszeit mit einer Arschbombe rein in die…
Blitzlicht-Momente meiner Schulzeit:
- Die Rose, die keine mehr war: In der ersten Klasse war mein Mitschüler Sven in meine beste Freundin verliebt. Er hatte ihr eine Rose mitgebracht, traute sich jedoch nicht sie ihr zu geben und hatte sie die ganze Zeit hinter seinem Rücken versteckt. Als er sie schließlich doch überreichte, hatte sie noch ein einziges Blütenblatt.
- Der Sprung übers Sandsäckchen: In den Pausen schleuderte ein Kind ein mit Sand gefülltes Ledersäckchen an einer Schnur und die gesamte Klasse sprang im richtigen Moment darüber. Wer zu spät sprang, war dran mit Schleudern. Was waren die Pausen so schön!
- Cleopatra unterrichtete Deutsch: Meine Deutschlehrerin trug schwarz gefärbte Haare mit Pony und Bob, dazu ständig Solariumbräune und verbrachte fast jeden Urlaub in Ägypten. Sie erzählte uns immer davon und kam mir selbst vor wie Cleopatra.
- Gitarre und Lagerfeuer zum Abschied: Meinen Klassenlehrer mochte ich sehr. Unser Abschlussfest zur Grundschulzeit endete in seinem Garten mit Gitarre und Lagerfeuer. Vorher sind wir als Klasse gemeinsam gewandert- schön verschwitzt Hand in Hand. Vielleicht hat es mir durch diese Erinnerung nie etwas ausgemacht, wenn die Kinder meiner Klasse an meiner Hand gehen wollten, wer weiß?
- Die Sachunterrichtsarbeit, die keiner vergisst: In der dritten Klasse schrieben wir eine Sachunterrichtsarbeit zum Thema Sexualkunde. Wir mussten die Geschlechtsteile benennen und die ganze Arbeit war relativ umfangreich, so dass die Arbeit echt schlecht ausgefallen ist. Ich war mit meiner 3 sehr zufrieden.
- Der Stern für das gerollte R: In der ersten Klasse konnte ich das R beim Lesen nicht rollen. Nach langem Üben klappte es endlich, und meine Lehrerin malte mir einen riesigen Stern ins Leseheft mit Kugeln an den Enden, der war wirklich besonders. Schön, dass ich das R bis heute rollen kann- die Frage, die ich mir stelle, ist eher, wieso muss man das R rollen können?!
- Schönschrift in lateinischer Ausgangsschrift: Im ersten Schuljahr lernten wir schon die lateinische Ausgangsschrift. Schönschrift zu üben, bis jede Zeile gleichmäßig aussah, hat mir dabei besonders viel Spaß gemacht. Mein Papa erzählt heute noch davon, wie gerne ich das gemacht habe und wie viele Seiten ich vollgeschrieben habe.
- Die Lehrerin, vor der ich mich gruselte: Vor meiner Reli- und Handarbeitslehrerin habe ich mich richtig gegruselt. Sie war schon damals sehr alt, war nicht so warmherzig und wirkte auf mich als Kind sehr kauzig.
- Der rote Ranzen: Meinen roten Schulranzen sehe ich noch vor mir – ob es ein Scout oder ein Amigo war, überlege ich jedes Mal wieder neu. Zum Glück kann man ja nachschauen. Hier findest du meinen Ranzen sogar auf der Website von Scout.
- Der gleiche Pulli auf jedem Foto: Auf fast jedem Klassenfoto aus der Grundschulzeit trage ich denselben Pulli, über mehrere Jahre hinweg – ganz ohne Absicht. Schnell gewachsen bin ich wohl nicht;)
- Aus Versehen in der Lateinklasse: Beim Übergang aufs Gymnasium hatte ich Französisch gewählt, kam aber wegen der gemeinsamen Busfahrt mit anderen Kindern aus meinem Dorf (es hat nur 50 Häuser und das wir so viele Kinder in einem Jahrgang waren, war echt ein Wunder) in die Lateinklasse. Nach zwei Jahren musste ich sie wieder verlassen um Französisch zu lernen, was ich schlimm fand.
- Die Stimme, die eine Klasse zusammenhielt: Der Lehrer meiner neuen Klasse hatte eine laute, durchdringende Stimme und sagte oft: „Big Brother is always watching you.“ Trotzdem – oder gerade deshalb – hat er es geschafft, uns zum Ende der achten Klasse zu einer echten Klassengemeinschaft zusammenzuführen, die dann leider wieder aufgelöst wurde.
- Die Klasse, die auseinandergerissen wurde: In der neuen Klasse hatte ich mich gut eingelebt, bis sie Ende der achten Klasse aufgeteilt wurde. Ich habe total geweint und jedem ein selbst geknüpftes Freundschaftsbändchen geschenkt. Gelandet bin ich dann wieder in der Lateinklasse, die kannte ich ja schon.
- Der rosa Schulhof: Die Abistreiche waren jedes Jahr ein lustiger Tag. Einmal strich ein Jahrgang den kompletten Schulhof rosa an und musste ihn danach mühsam wieder schrubben, da die Farbe zu grell war.
- Unterricht am Samstag: In den ersten Jahren hatten wir alle zwei Wochen samstags noch Unterricht – kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen. Wer sich das damals ausgedacht hat? Ich hatte ausgerechnet Doppelstunden in Religion und Englisch, zwei Fächern, die ich nicht wirklich mochte, was das ganze nicht besser gemacht hat.
- Der Ausflug, der mit einer Laterne endete: Bei einem Schulausflug nach Gelnhausen unterhielt sich ein Mitschüler auf dem Rückweg so angeregt, dass er direkt gegen eine Laterne lief. Seinen Gesichtsausdruck, das schmerzverzerrte Gesicht und uns lachende Mitschüler habe ich immer noch vor Augen, wenn ich dort vorbeigehe.
- Der fliegende Schlüsselbund: Wurde es im Kunstunterricht zu unruhig, warf einer unserer Lehrer seinen gut 500 Gramm schweren Schlüsselbund durch die Klasse – danach war sofort Ruhe. Das war echt ein krasses Teil, gut, dass er Sportlehrer war und wenigstens werfen konnte.
- Die drei Fragezeichen im Kunstunterricht: Im selben Kunstunterricht durften wir dafür „Die drei Fragezeichen“ hören, was mir richtig Spaß gemacht hat. Diese Hörspiele gehören immer noch zu meinen absoluten Lieblingen vor allem im Zusammenhang mit dem VPT.
- Das Sprachlabor- mein Endgegner: Die Stunden im Sprachlabor fand ich schrecklich – man wusste nie, ob der Lehrer gerade zuhörte oder nicht. Dieses Gefühl hat mich leider davon abgehalten mich in der Schulzeit mit Englisch anzufreunden. Heute mache ich seit 6,5 Jahren täglich Duolingo und mag die Sprache sehr.
- Als Putzi im Jazzkeller: Freitagabends öffnete der Jazzkeller, unsere Schuldisco. Mehrere Jahre lang half ich dort als Putzi beim Vorbereiten und Saubermachen. Das waren wilde Zeiten und einfach herrlich!
- Zwei Jahre im wackelnden Container: Zwei Jahre lang fand unser Unterricht in Containern statt, der Boden wackelte ständig und es roch schrecklich – wie auf einem Abstellgleis.
- Vasarely an der Schulwand: Zum Abschluss malten Mitschüler von mir Vasarely-Werke an die Schulwand, die dort bis heute zu sehen sind. Daran erfreue ich mich immer, wenn ich zu einem Elternabend meines großen Sohnes muss.
- Der Polenaustausch: In den Osterferien der zehnten oder elften Klasse war ich beim Polenaustausch dabei – richtig toll. Wir sind mit dem Zug hingefahren und die ratternden Gleise höre ich noch heute und den Inhalt der vollen Naschtaschen, die wir auf der Rückfahrt hatten, kann ich fast noch schmecken.
- In Arvika: In der zwölften Klasse folgte der Schwedenaustausch, genauso schön. Seitdem weiß ich, das ´pillow´ Kopfkissen heißt. Ich hatte nämlich nicht verstanden, was die Familie von mir wollte und deshalb beim Ausflug ins Ferienhaus am See kein Kissen dabei…
- Der Kopfstand auf dem Feldberg: Auf Klassenfahrt in der achten Klasse wanderten wir zum Feldberg, wo unsere Sportlehrerin oben spontan einen Kopfstand machte. Bizarres Bild.
- Tanzen zu Phil Collins in der Jugendherberge: Ebenso bizarr war wahrscheinlich unser Tanz durch die Jugendherberge zu „I can´t dance“ von Genesis.
- Die Skifreizeit in Meran: Am Ende der Woche wurde ich krank und konnte die letzte Abfahrt nicht mitmachen, was ich heute noch schade finde. Fahrten mit dem Schneemobil werden leider überbewertet. Dafür hatten wir davor eine lustige Zeit zusammen, beim Herausfallen aus dem Schlepplift oder den abendlichen Spielerunden.
- Armbänder als Markenzeichen: Zur Zeit rund ums Abitur habe ich ständig ganz viele Armbänder getragen. Nach dem schriftlichen Abitur haben wir den Schulhof gefegt – mit Sekt in der Hand und Wolfgang Petrys „Wahnsinn“ im Ohr und auf der Zunge. Daraus wurde dann schnell mal „Wolle-Müller“ als Spitzname für mich, denn Wolfgang Petry hat ebenfalls viele Armbänder getragen.
- Die Arbeit am Abibuch: Am Abibuch zu arbeiten war eine echte Mammutaufgabe, hat aber gemeinsam mit den anderen viel Spaß gemacht. Am Ende zeigte sich allerdings auch, dass man sich nicht immer darauf verlassen konnte, dass Zusagen der anderen wirklich eingehalten wurden.
- Als Gast auf fremden Abifeiern: Die Abifeiern der älteren Jahrgänge, bei denen ich nur Gast war, fand ich im Rückblick cooler als meine eigene. Vielleicht lag es daran, als Jüngere einfach mitzufeiern, ohne selbst Verantwortung zu tragen.
Sooo, das waren mal für den Moment meine Blitzlichter. Ich glaube, die haben noch Potenzial zur Erweiterung…
Interessanterweise nehmen dabei Noten und der Unterrichtsstoff nur wenig Platz ein- wer hät´s gedacht? Ich schon;)
Schließlich bin ich da ganz bei Jesper Juul: „Das Wichtigste in der Schule sind die Menschen.“
Liebe Nicole, es war wundervoll deine aufs Papier gebrachte Erinnerungen zu lesen. So wurden sogar gleichzeitig ein paar eigene Erinnerungen wach. Vielen Dank für diesen frischen und lebendigen „Zurückversetzer“
Danke dir! Es war wirklich spannend, was da so spontan kam und immer noch hervorsprudelt…
Oh man, da sind soooo viele Momente dabei, an die ich mich auch noch richtig gut erinnern kann. Selbst die Geschichten aus der Grundschule, obwohl wir da noch gar nicht in die gleiche Klasse gegangen sind. Spontan könnte ich da mindestens zwei deiner Lehrer beim Namen nennen, so exakt hast du sie beschrieben. Wahnsinn!
Cool, ja ich denke, viele Momente sind ähnlich, aber jeder nimmt sie anders wahr. Ähnlich wie mit einem Foto, was man findet, kann man sich plötzlich doch erinnern, wenn man diese Situationen liest und vor seinem inneren Auge sieht. Manche Lehrer waren einfach dominant sozusagen…